32 Begriffe verständlich erklärt

Glossar Energieberatung & Gebäudemesstechnik

Was bedeutet n50, q50, BzA, ΔUWB, EH40? Hier finden Sie alle Fachbegriffe rund um Blower Door, KfW, QNG und Thermografie kurz und präzise erklärt — mit Verweis auf Normen und Förderprogramme.

🌬 Messtechnik

n50-Wert #

Luftwechselrate bei 50 Pa Druckdifferenz. Standard-Kennzahl für Luftdichtheit.

Der n50-Wert beschreibt, wie oft das Luftvolumen eines Gebäudes pro Stunde komplett ausgetauscht wird, wenn zwischen innen und außen eine Druckdifferenz von 50 Pascal anliegt. Je niedriger, desto dichter. Das GEG (heute: Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG) legt in § 26 GModG Höchstwerte fest: 3,0 h⁻¹ bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlage, 1,5 h⁻¹ mit raumlufttechnischer Anlage. Gemessen wird mit Über- und Unterdruck; die Höchstwerte sind für beide Fälle einzuhalten.

q50-Wert #

Hüllflächen-bezogene Luftdurchlässigkeit bei 50 Pa.

Statt n50 (volumenbezogen) wird bei großen Gebäuden (Volumen über 1.500 m³) der q50-Wert verwendet — Leckage pro m² Hüllfläche bei 50 Pa Druckdifferenz. Einheit m³/(h·m²). Nach § 26 GModG gelten dann höchstens 4,5 m³/(h·m²) ohne bzw. 2,5 m³/(h·m²) mit raumlufttechnischer Anlage.

Blower Door Test #

Luftdichtheits-Messverfahren nach DIN EN ISO 9972 mit Über- und Unterdruck.

Ein in die Außentür eingespannter Ventilator erzeugt definierten Über- bzw. Unterdruck im Gebäude. Aus dem Volumenstrom bei 50 Pa wird der n50- oder q50-Wert errechnet. Mit zusätzlicher Leckageortung (Anemometer, Thermografie, auf Wunsch Nebel) lassen sich Schwachstellen exakt finden.

Leckageortung #

Aufspüren undichter Stellen mit Anemometer oder Thermografie — auf Wunsch mit Nebel.

Während der Blower Door Test bei Unterdruck läuft, strömt Außenluft durch undichte Stellen. Mit Theaterrauch werden die Strömungen sichtbar, das Anemometer misst Geschwindigkeiten, die Wärmebildkamera zeigt kalte Einströmstellen. Ergebnis: konkrete Fehlerprotokolle mit Lage und Einschätzung.

Thermografie #

Berührungslose Wärmebild-Analyse mit Infrarot-Kamera.

Mit einer kalibrierten Wärmebildkamera (z.B. FLIR) wird die Oberflächentemperatur der Gebäudehülle erfasst. Wärmebrücken, Dämmschäden und Luftleckagen erscheinen als farbige Anomalien. Beste Bedingungen herrschen bei großem Temperaturunterschied zwischen innen und außen — also in den Wintermonaten.

Siehe auch: Wärmebrücke

📐 Normen

DIN EN ISO 9972 #

Norm für die Luftdichtheitsmessung von Gebäuden mittels Differenzdruckverfahren.

Internationale Norm DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA (national) für Deutschland. Definiert das Messverfahren mit Ventilator, die zulässigen Randbedingungen (Wind, Temperatur) und die Berechnung von n50 und q50. § 26 GModG verlangt die Messung nach DIN EN ISO 9972:2018-12 Anhang NA mit Über- und Unterdruck, wenn die gemessene Luftdichtheit im Nachweis angesetzt wird. Die KfW verlangt den Dichtheitstest, wenn er in der Bilanz angesetzt wird oder eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung angerechnet wird; beim Effizienzhaus 40 EE (BEG Wohngebäude) ist die Luftdichtheit messtechnisch zu bestimmen.

DIN V 18599 #

Pflicht-Verfahren zur energetischen Bilanzierung von Gebäuden.

Vornorm DIN V 18599 (Teile 1–12) — die offizielle Berechnungsgrundlage für Energieausweise, GModG-Nachweise und KfW-Förderanträge. Sie bilanziert Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung und Beleuchtung über Monatsschritte. Komplex genug, dass es ohne spezialisierte Software nicht geht.

DIN 4108 #

Normenreihe Wärmeschutz — Teil 2 (Mindestwärmeschutz), Teil 7 (Luftdichtheit).

Mehrteilige Normenreihe für den Wärmeschutz von Gebäuden. Teil 2 regelt den Mindest- und sommerlichen Wärmeschutz, Teil 7 die Anforderungen an die luftdichte Ebene (Konstruktion und Materialien).

GEG #

Gebäudeenergiegesetz — das deutsche Gesetz zur Energieeffizienz von Gebäuden, heute: Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG).

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) trat am 1. November 2020 in Kraft und ersetzte EnEG, EnEV und EEWärmeG. Heute heißt es Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es regelt energetische Mindestanforderungen für Neubau und Sanierung, Energieausweise und die Luftdichtheit (§ 26 GModG).

🏦 KfW & Förder-Nachweise

BzA #

Bestätigung zum Antrag — KfW-Vorab-Nachweis vor der Antragstellung.

Die "Bestätigung zum Antrag" ist ein KfW-Pflichtformular, das ein zugelassener Energie-Effizienz-Experte (dena-Liste) vor Antragstellung ausfüllt. Sie bestätigt, dass das Vorhaben die geförderte KfW-Stufe technisch erreichen wird. Pflicht für KfW 261, 297, 298.

BnD #

Bestätigung nach Durchführung — KfW-Schlussnachweis nach Bau-Fertigstellung.

Die "Bestätigung nach Durchführung" ist das Pendant zur BzA — sie bestätigt nach Fertigstellung, dass das gebaute Gebäude die geförderte Stufe tatsächlich erreicht. Ein Blower Door Test ist dafür nötig, wenn die Luftdichtheit in der Bilanz angesetzt wurde oder eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung angerechnet wird (KfW-TFAQ 16.04, 8.16); beim Effizienzhaus 40 EE (BEG Wohngebäude) ist die Luftdichtheit messtechnisch zu bestimmen.

Siehe auch: BzA KfW 261

KfW 261 #

Förder-Kredit BEG Wohngebäude Sanierung — bis 150.000 € pro Wohneinheit.

Das KfW-Programm 261 fördert energetische Sanierungen von Wohngebäuden — als Kredit mit Tilgungszuschuss, dessen Höhe von der erreichten Effizienzhaus-Stufe abhängt. Förderbedingung: Sanierung auf Effizienzhaus-Stufe 85 bis 40, inkl. Effizienzhaus Denkmal (EE-Klasse, NH-Klasse mit QNG). Fachplanung und Baubegleitung werden zusätzlich gefördert. Die konkreten Prozentsätze und Höchstbeträge ändern sich regelmäßig (zuletzt BEG-Reform Juli 2026) — maßgeblich sind die aktuellen KfW-Konditionen.

KfW 297/298 #

Klimafreundlicher Neubau — bis 100.000 €/WE Kredit (mit QNG bis 150.000 €/WE).

KfW 297 (private Selbstnutzung) und 298 (u. a. Vermietung und Unternehmen) fördern Neubauten mit Effizienzhaus-Stufe 40 und Nachhaltigkeits-Anforderungen; befristet bis 31.12.2026 bzw. bis zur Mittelausschöpfung auch Effizienzhaus 55 ohne LCA/QNG. Mit erreichtem QNG-Plus oder QNG-Premium erhöht sich die Kreditsumme auf 150.000 € pro Wohneinheit — interessant für Mietwohnungsbau und § 7b EStG.

EH40 #

Effizienzhaus-Stufe 40 — Neubau-Standard mit 40 % des Referenz-Primärenergiebedarfs.

Effizienzhaus 40 bedeutet: das Gebäude darf maximal 40 % der Primärenergie eines Referenzhauses (nach GModG) benötigen, und der bauliche Wärmeschutz muss 55 % des Referenzwerts entsprechen. Standard für die KfW-297/298-Neubauförderung.

🌳 QNG & Nachhaltigkeit

QNG #

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude — staatliches Zertifikat für nachhaltigen Neubau.

Das QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) ist ein vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) anerkanntes Siegel. Es wird in zwei Stufen vergeben: QNG-Plus und QNG-Premium. Vergeben wird es von Zertifizierungsstellen auf Basis registrierter Bewertungssysteme wie BNK (Kleinwohnungsbau) oder BNG (Wohnungsbau).

QNG-Plus #

Erste der beiden QNG-Stufen — Pflicht-Schwellen für CO₂, Primärenergie, Holz-Zertifizierung.

QNG-Plus verlangt: ≤ 24 kg CO₂-Äq./(m²·a) Treibhauspotenzial und ≤ 96 kWh/(m²·a) Primärenergie, jeweils im Lebenszyklus.

QNG-Premium #

Höchste QNG-Stufe — strengere Schwellen.

QNG-Premium ist die höchste Stufe: ≤ 20 kg CO₂-Äq./(m²·a) Treibhauspotenzial und ≤ 64 kWh/(m²·a) Primärenergie, jeweils im Lebenszyklus.

Siehe auch: QNG-Plus BiRN

BNK #

Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnungsbau — 1–5 Wohneinheiten.

Das BNK ist das QNG-Bewertungssystem für Ein- bis Fünf-Familien-Häuser. Vergeben vom Bauinstitut für ressourceneffizientes Bauen (BiRN). Bewertet 19 Kriterien in vier Dimensionen: Soziokulturelle Qualität, Ökonomische Qualität, Ökologische Qualität, Prozessqualität.

BNG #

Bewertungssystem für Nachhaltige Gebäude — ab 6 Wohneinheiten.

Das BNG ist das QNG-Bewertungssystem für Wohngebäude ab 6 Wohneinheiten. Gleiche 19 Kriterien wie BNK.

Siehe auch: BNK QNG

BiRN #

Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen — vergibt BNK- und BNG-Zertifikate.

Das BiRN ist Zertifizierungsstelle und verwaltet die Kriteriensteckbriefe (aktuell Version 2.0, gültig ab 15.06.2024). Audits begleiten BNK-Auditorinnen und -Auditoren des BiRN.

Siehe auch: BNK QNG-Plus
Quelle/Mehr: https://bau-irn.com

LCA / Ökobilanz #

Lebenszyklus-Analyse — bewertet CO₂ über die ganze Lebensdauer des Gebäudes.

Die LCA (Life Cycle Assessment) bewertet ein Gebäude über seine Lebensphasen: Herstellung der Baustoffe, Nutzung inkl. Energie, Rückbau und Entsorgung. Berechnung nach DIN EN 15978 mit der Ökobaudat-Datenbank (BBSR). Pflicht für QNG-Plus und Premium.

Siehe auch: QNG-Plus EPD

EPD #

Environmental Product Declaration — geprüfte Umwelt-Datenblätter für Baustoffe.

Eine EPD (Environmental Product Declaration nach EN 15804) ist ein Datenblatt eines Bauproduktes mit nachgewiesenen Umweltkennwerten: Treibhauspotenzial, Versauerung, Eutrophierung, Primärenergie.

Siehe auch: LCA / Ökobilanz

💰 Förderung

§ 7b EStG #

Sonder-Abschreibung für Mietwohnungs-Neubau mit Bauantrag vor dem 1.10.2029.

Der § 7b Einkommensteuergesetz ermöglicht eine Sonder-Abschreibung von 5 % pro Jahr in den ersten 4 Jahren (zusätzlich zur regulären linearen AfA) für neue Mietwohnungen mit Bauantrag nach dem 31.12.2022 und vor dem 1.10.2029. Voraussetzungen: EH40-Standard und Erreichen des QNG-Plus-Siegels. Bemessungsgrundlage max. 4.000 €/m² Wohnfläche, Baukostenobergrenze 5.200 €/m².

Siehe auch: QNG-Plus EH40

§ 35c EStG #

Steuerermäßigung für energetische Sanierung — 20 % über 3 Jahre.

Der § 35c EStG gewährt eine Steuerermäßigung von 20 % der Sanierungskosten über 3 Jahre (max. 40.000 € pro Objekt). Anerkannt sind u.a. Wärmedämmung, Heizungserneuerung, Fenstertausch — auch die Fachplanung und Baubegleitung sind absetzbar.

BAFA #

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle — fördert u. a. die Energieberatung.

Das BAFA fördert insbesondere die Energieberatung für Wohngebäude (50 % Zuschuss, max. 650 € EFH/ZFH bzw. 850 € ab 3 Wohneinheiten), in deren Rahmen der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt wird.

Siehe auch: iSFP

iSFP #

Individueller Sanierungsfahrplan — BAFA-geförderte Roadmap für die Sanierung.

Der iSFP ist ein im Rahmen der BAFA-geförderten Energieberatung für Wohngebäude (EBW) erstellter Sanierungsfahrplan, der Schritt für Schritt aufzeigt, wie ein Gebäude über mehrere Jahre energetisch saniert werden kann. Wird vom BAFA mit 50 % bezuschusst (max. 650 € EFH/ZFH, 850 € ab 3 Wohneinheiten). Wer einen iSFP umsetzt, kann bei späteren BEG-Einzelmaßnahmen den iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten erhalten (ab 21.07.2026: nur bei einem förderfähigen Mindestinvestitionsvolumen von 30.000 € brutto und nur auf die Ausgaben oberhalb der Höchstgrenze ohne iSFP).

Siehe auch: BAFA KfW 261

🧱 Bauphysik allgemein

Wärmebrücke #

Bereich der Gebäudehülle mit erhöhtem Wärmeverlust gegenüber der umgebenden Fläche.

Wärmebrücken entstehen an Übergängen zwischen verschiedenen Bauteilen (Fenster-Anschluss, Sockel, Dachkante, Balkon, Decken-Außenwand) oder durch geometrische Sprünge. Sie verursachen lokal niedrige Innen-Oberflächentemperaturen → Schimmelgefahr. Energetisch werden sie mit dem Wärmebrückenzuschlag ΔUWB pauschal oder rechnerisch erfasst.

ΔUWB #

Wärmebrücken-Zuschlag — pauschal 0,10 W/(m²·K), bei vereinfachtem Nachweis 0,05.

Der ΔUWB-Wert (Delta U Wärmebrücke) ist der pauschale Aufschlag auf den mittleren U-Wert der Hüllfläche, um die Wärmebrücken-Verluste pauschal zu berücksichtigen. Standardwert 0,10 W/(m²·K) ohne Detail-Nachweis, 0,05 mit Bewertung nach DIN 4108 Beiblatt 2.

Hüllfläche #

Summe aller wärmeübertragenden Außenflächen — Außenwand + Dach + Boden + Fenster.

Die Hüllfläche (auch A in der Bilanzierung) ist die Summe aller Flächen, durch die ein Gebäude Wärme an die Außenwelt verliert. Wird brutto gemessen (Außenkanten). Das Verhältnis A/V (Hüllfläche zu Volumen) ist ein Maß für die Kompaktheit — je kleiner, desto energetisch besser.

U-Wert #

Wärmedurchgangskoeffizient — W/(m²·K). Je kleiner, desto besser gedämmt.

Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme pro Sekunde durch 1 m² eines Bauteils strömt, wenn die Temperaturdifferenz 1 Kelvin beträgt. Einheit W/(m²·K). Beispiele: einfach verglastes Fenster 5,8, modernes 3-fach-Glas 0,7.

Energieausweis #

Pflicht-Dokument bei Vermietung/Verkauf — Bedarfs- oder Verbrauchsausweis nach GModG.

Nach § 80 GModG muss bei Vermietung oder Verkauf einer Immobilie ein Energieausweis vorgelegt werden. Es gibt zwei Varianten: Bedarfsausweis (berechnet nach DIN V 18599) und Verbrauchsausweis (basierend auf 3-Jahres-Verbräuchen). Der Bedarfsausweis ist Pflicht bei älteren kleinen Wohngebäuden (bis 4 Wohnungen, Bauantrag vor dem 1.11.1977, nicht modernisiert).

Primärenergie #

Energie inkl. der Verluste bei Gewinnung und Transport (vor Verbrauch).

Primärenergie umfasst nicht nur die im Gebäude verbrauchte End-Energie, sondern auch die Verluste bei Förderung, Umwandlung und Transport. Energieträger haben unterschiedliche Primärenergie-Faktoren: Strom ~1,8, Erdgas 1,1, Holz 0,2. QNG-Plus verlangt ≤ 96 kWh/(m²·a) nicht-erneuerbare Primärenergie.

Siehe auch: EH40 QNG-Plus