Eine Wärmebrücke ist eine Stelle der Gebäudehülle, an der gegenüber dem angrenzenden ungestörten Bauteil zusätzliche Wärme nach außen fließt. Wärmebrücken können Wärmeverluste erhöhen, Innenoberflächen abkühlen und Feuchte- oder Schimmelschäden begünstigen. Der dena-Leitfaden „Wärmebrücken in der Bestandssanierung“ erläutert diese Zusammenhänge und zeigt typische Anschlüsse. Die folgende Auswahl ist keine Rangliste nach Häufigkeit. [1]
1. Rollladenkästen
Ungedämmte Rollladenkästen sind eine typische konstruktive Wärmebrücke. Der dena-Leitfaden beschreibt als Maßnahme das Auskleiden des Kastens mit Dämmstoff. [1, Seiten 9 und 35]
Was prüfen? Lassen Sie Dämmung und Fensteranschluss gemeinsam betrachten. Bei Zugluft sollte zusätzlich die Luftdichtheit untersucht werden.
2. Auskragende Balkone
Ist eine Stahlbeton-Balkonplatte ohne thermische Trennung an die Geschossdecke angeschlossen, leitet sie Wärme aus dem Innenraum nach außen ab. Die Geschossdecke kann dadurch örtlich stark abkühlen; der Leitfaden nennt die Gefahr von Feuchteschäden. [1, Seite 32]
Sanierung: Der Leitfaden beschreibt den Abbruch der Platte und einen neuen, vorgestellten, selbsttragenden Balkon als Möglichkeit. Eine Dämmung der vorhandenen Platte von oben und unten lässt sich nur begrenzt umsetzen und hat eine begrenzte Wirkung. Lassen Sie die geeignete Lösung fachlich planen. [1, Seiten 32–33]
3. Drempelanschluss / Kniestock
Am Übergang von Außenwand und Dach sollen Fassaden- und Dachdämmung lückenlos aneinander anschließen. Dies beschreibt der dena-Leitfaden für den Traufanschluss. [1, Seite 35]
Was prüfen? Betrachten Sie neben der Dämmung auch die Luftdichtheit. Fugen und Undichtigkeiten sind nach dem Leitfaden keine Wärmebrücken im engeren Sinn und müssen gesondert untersucht werden. [1, Seite 6]
4. Fensterlaibungen bei Sanierungen
Wird eine Außenwand gedämmt, während die Fensterlaibung ungedämmt bleibt, kann dort eine Wärmebrücke bestehen. Der dena-Leitfaden beschreibt die Dämmung der Laibung bis auf den Fensterrahmen als Maßnahme. [1, Seite 33]
Was hilft? Lassen Sie Fassadendämmung, Laibung und Fensteranschluss gemeinsam planen.
5. Heizkörpernischen
Heizkörpernischen gehören zu den möglichen Schwachstellen der Gebäudehülle. Das KfW/BAFA-Infoblatt führt ihre Dämmung ausdrücklich als Maßnahme zur Wärmebrückenreduktion auf. [2, Abschnitt 2.4]
Was prüfen? Beziehen Sie vorhandene Nischen in die Bestandsaufnahme ein und lassen Sie einen zum Wandaufbau passenden Dämmaufbau festlegen.
6. Deckenabschluss zum unbeheizten Dachraum
Bei einem unbeheizten Dachraum kann die oberste Geschossdecke gedämmt werden. Für die reguläre BEG-EM-Förderung nennt die technische Mindestanforderung für diese Decke U ≤ 0,14 W/(m²K). Eine pauschale Dämmstoffdicke ersetzt diesen Nachweis nicht. [3, Anlage TMA 1.1]
Was prüfen? Beziehen Sie Deckenanschlüsse, Durchdringungen und die Dachbodenluke in die Planung ein. Der dena-Leitfaden beschreibt einen Dämmstoffdeckel für die Dachbodenluke. [1, Seite 36]
7. Sparren in der Dämmebene
Der dena-Leitfaden nennt Holzsparren innerhalb der Dämmebene als Beispiel einer Wärmebrücke. Eine vollflächige Aufsparrendämmung wird als Maßnahme beschrieben. [1, Seiten 8 und 36]
Was hilft? Lassen Sie den vorhandenen Dachaufbau untersuchen und die Dämmung bei einer Dachsanierung als zusammenhängende Ebene planen.
Wie hilft Thermografie bei der Untersuchung?
Thermografie kann Wärmebrücken sichtbar machen. [1, Seite 4] Die VATH-Richtlinie Bauthermografie beschreibt Außenaufnahmen als orientierende Untersuchung. Für quantitative Wärmebrückenbewertungen nennt sie grundsätzlich Innenaufnahmen mit ergänzenden Messverfahren. [4, Abschnitte 6.1 und 6.4]
Die Richtlinie empfiehlt eine Temperaturdifferenz zwischen innen und außen von mindestens 15 K über einen ausreichenden Zeitraum. Vorherige Sonneneinstrahlung darf die Aufnahmen nicht störend beeinflussen. [4, Abschnitt 6.7]
Zur Leckageortung beschreibt die VATH-Richtlinie die Kombination mit einer Differenzdruckmessung, üblicherweise bei 50 Pascal Unterdruck. Dafür ist ein Temperaturunterschied erforderlich. Die Kombination ist ein Untersuchungsverfahren; sie garantiert nicht, dass jede Leckage sichtbar wird. [4, Abschnitt 6.5.2]
Quellen
- dena: Wärmebrücken in der Bestandssanierung, Stand 12/2015, bereitgestellt von der KfW – hier für bauphysikalische Grundlagen und Sanierungsansätze verwendet.
- KfW/BAFA: Förderfähige Maßnahmen und Leistungen – Sanieren, Version 11.0 (09/2026)
- BEG-EM-Richtlinie vom 17.08.2026 einschließlich technischer Mindestanforderungen
- VATH: Richtlinie Bauthermografie, Stand April 2023 – Primärquelle für die hier wiedergegebenen Aussagen des Verbands.